Beitrags-Archiv für die Kategory 'Monologe Küche'

Ein Mantel für die Mandel

Samstag, 26. Dezember 2020 21:44

Liebe Andrea,

Covid-19- und pandemiebedingt präsentierte sich auch die Weihnachtszeit 2020 von einer bislang so nicht gekannten Seite. Unser tradioneller Weihnachtsmarkt wär hüttenweise in der Stadt verteilt und konnte so bis zum zweiten Lockdown noch hier und da für ein klein bisschen Weihnachtsstimmung sorgen. Danach jedoch war Schicht im Schacht, Schluss mit dem verlocken Duft verschiedener Vorweihnachtsköstlichkeiten. Zu der Kakophonie der Düfte tragen auf nahezu jedem Weihnachtsmarkt auch immer

Gebrannte Mandeln

bei. Wenn also schon die Weihnachtsmärkte und deren Buden die Segel streichen mussten, haben wir uns ein klein bisschen von diesem Weihnachtsgenüssen nach Hause geholt. Neben (absolut selbstlosen) Eigenversuchen mit Glüh-Gin habe ich mich auch ans Brennen von Mandeln begeben.

Um den Mandeln einen Zuckermantel anzulegen sind wenig Zutaten notwendig, auch der Arbeitsaufwand bleibt überschaubar. Dennoch gibt es die eine entscheidende Hürde, die das Ergebnis schnell Richtung Abfalleimer wandern lässt.

In einem Edelstahltopf habe ich 200 g Zucker mit dem Inhalt von 1 Tütchen Vanillezucker und 1 TL Zimt vermischt, 100 ml Wasser angegossen und alles aufkochen lassen. Alsbald der Topfinhalt zu kochen begann, gab ich 200 g Mandeln dazu. Verschiedene Testreihen bei der Herstellung haben gezeigt, dass die Mandeln später besser eine bessere Zuckerbindung haben, wenn sie ungeschält sind. Die Abbildung unten zeigt das Ergebnis bzw. den Unterschied recht deutlich.

Wer schon einmal mit heißem Zucken und Karamell hantiert hat, der weiß: Die Sache kann sehr, sehr heiß werden und sehr schnell zu dunkel, damit bitter und durchaus rauchig werden. Was in kaum einem Rezept steht: Direkt nachdem sich die Mandeln im heißem Zuckerwasserbad befinden, sollte die Hitze auf maximal halbe Kraft reduziert werden. Unter stetem Rühren verdampft dann das Wasser und der Topfinhalt wird trocken, geradezu sandig. Ab diesem Zeitpunkt schalte ich die Hitze nochmals runter und lasse den nun an den Mandeln klumpenden Zucker leicht karamellisieren. Je nach Gusto kann man hier ein wenig mehr Zuckerkristalle übrig oder diese schmelzen lassen.

Danach habe die die Mandeln auf die mit Backpapier geschützte Arbeitsfläche geschüttet und mit mit Hilfe von zwei Gabeln die einzelnen Mandeln voneinander getrennt. So können die Mandeln nun – jede für sich – ein wenig abkühlen und der Zuckermantel kann aushärten.

Du kannst Dir vorstellen, dass zu diesem Zeitpunkt die komplette Küche und bei offen stehender Küchentür die halbe Wohnung in einen olfaktorischen Weihnachtszauber gehüllt ist, was unwillkürlich die verschiedenen Mitbewohner aus ihren Lebensbereichen anlockt und zu einer schnellen Abnahme der frisch produzierten Zuckermandeln führen kann. Aber dafür ist etwaig notweniger Nachschub ja schnell nachproduziert.

PS: Für den Glüh-Gin habe ich übrigens frisch gepressten O-Saft und naturtrüben Apfelsaft mit Glühwein-Gewürz aufgekocht und nach dem Umfüllen in Becher mit einer individuell bemessenen Menge Gin ergänzt.

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Kastanien statt Nebel (Suppe 23)

Sonntag, 29. November 2020 16:57

Liebe Andrea,

Esskastanien haben wir früher als Kinder immer im Südpark gesammelt (oder mit dem Werfen von Holzknüppeln aus den Bäumen geholt). Zum Öffnen der an grüne Seeigel erinnernden Hüllen bietet es sich bis heute an, bloss nicht die Hände zu nehmen, sondern mit festem Schuhwerk sanft draufzutreten. Mittlerweile gibt es Esskastanien oder Maronen (so heißt übrigens die Weiterzüchtung der Esskastanie) auch schon vorgegart und vakuumiert abgepackt zu kaufen. Wohl dem, der da schöne Kindheitserinnerungen hat…

Lange Jahre kannte ich nur die im Ofen zubereitete Variante der Esskastanien. Ok, auch als Füllung in der ein oder anderen Weihnachtsgans landete immer wieder mal Maronenähliches auf meinem Teller. Aber als ich uns neulich

Kastaniensuppe

auf den Esstisch stellte, begab ich mich quf kulinarisches Neuland. Gerade als wärmende Belohnung, nach einem Spaziergang durch einen trüben Novembertag, ist diese Suppe ein idealer Quell für pures Glücksgefühl. Und recht fix & einfach – siehe Beschaffung der Ware – ist die Suppe auch gemacht.

In einem Topf habe ich 1 Zwiebel und 1 Knoblauchzehe, beide kleingewürfelt, in 2 El Olivenöl angeschwitzt, 300 g Esskastanien (vorgekochte und vakuumierte Ware) dazugegeben und ca. 5 Minuten unter Rühren mitgegart. Dann goss ich 200 ml Weißwein an und liess alles bei höherer Flamme ein paar Minuten aufwallen. Als nächstes folgten 200 ml Wasser und 1 Lorbeerblatt. Nun liess ich den Topfinhalt bei mittlerer Hitze weitere 5 Minuten vor sich hinköcheln.

Vor dem Pürieren der Suppe mit dem Stabmixer entfernte ich die Lorbeerblätter und goss nach dem Pürieren 250 ml Sahne dazu. Die Suppe durfte noch ein paar Minuten vor sich hinblubbern, dann goss schlückchenweise Kalbsfond nach, bis die Suppe die mir zusagende Konsistenz hatte. Mit ein wenig Meersalz abgeschmeckt war die Kastaniensuppe auch schon fertig und wurde mit weiteren 200 g Kastanien, die ich grob zerstossen hatte und auf 3 Tellern verteilt hatte, serviert. Dazu passt prima frisches Brot und die erneute Erkenntnis, dass sich dem trüben Herbstnebel kulinarisch durchaus mit Suppe Paroli bieten lässt.

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Jetzt wird’s Wild: Herbstliches Gulasch

Sonntag, 22. November 2020 16:56

Liebe Andrea,

der Herbst hat nicht nur kalendarisch den Einzug in unser Leben gehalten, auch in der Küche herbstelt es derzeit kräftig.

Ein neuester kulinarischer Streifzug durch den Herbst brachte uns ein schmackhaftes

Hirschgulasch

auf den Tisch. Nachdem ich auf dem hiesigen Markt frische Ware aus den benachbarten Waldregionen des Spessarts erstehen konnte, war der Weg frei für das nächste kulinarische Herbst-Highlight.

Die 1 kg Hirschgulasch (der Händler des Vertrauens hatte dies bereits auf ca. 3 Kantenlänge vorgewürfelt) habe ich zunächst portionsweise in einem Bräter mit ordentlich Butterschmalz scharf angebraten. Die Fleischmenge hatte ich für insgesamt 5 Esser geplant. Das Bratfett entsorgte ich anschließend und schwitzte in frischem Öl 3 Karotten, 3 Zwiebeln, 2 Stangen Sellerie sowie 1 Petersilienwurzel, allesamt entsprechend kleingeschnitten, an.

Ich rührte 2 EL Tomatenmark dazu, gab das Fleisch (samt „Lagersaft“) in den Bräter zurück und löschte alles mit 200 ml Rotwein ab. Den Wein liess ich kurz reduzieren und goss 400 ml Wildfond (Fertigprodukt aus dem Glas) dazu.

Ich würzte mit 4 Wacholderbeeren, 2 Nelken, 1 Lorbeerblatt und 1 handvoll getrockneter Steinpilze, gab 3 Zweige Thymian dazu und rührte 1 EL Balsamicoessig sowie 3 EL Preisselbeerkompott in den Sud. Deckel drauf, Hitze auf kleinste Stufe und knapp 3 Stunden in Ruhe vor sich hinköcheln lassen. Zeit, die sich übrigens prima mit einem ausgedehnten Herbstspaziergang überbrücken lässt – regt den Appetit an und sorgt für zusätzliches Herbstfeeling.

Wieder daheim setzte ich Salzkartoffeln auf, rührte 2 EL Crème Fraîche in mein Gulasch und band die Sauce final mit ein bisschen Mehlbutter ab.
Der Inhalt von 1 Dose Birnen lieferte mir die Birnenhälften, von denen ich zwei auf jedem Teller platzierte und mit je 1 EL Preisselbeerkompott füllte. Dazu kamen dann die dampfenden Kartoffeln sowie 2 Kellen Gulasch auf jeden Teller und der Herbst präsentierte sich von einer seiner leckeren Seiten auf unserem Esstisch.

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Chicorée mit Schinkenmantel – très chic!

Samstag, 10. Oktober 2020 15:23

Liebe Andrea,

Wenn der Himmel sich in Wolken hüllt und die Tage im Dauerregen nur so dahinfließen, dann ist man mitten im Herbst von seiner trübsten Seite angekommen. Aber kein Grund, seine Gedanken „dem da draußen“ anzupassen, sondern von innen heraus dagegen anzugehen. Zeit also für jahreszeitlich bedingtes und beeinflusstes Soulfood!

Ich habe die Gunst der Stunde genutzt und uns einen großen Klassiker fürchterlichster Kindheitserinnerungen auf den Esstisch gestellt. Denn

Gratinierter Chicorée

zählt doch für recht wenige Menschen, klein wie groß, zu den wirklichen Must-Haves beim Abendessen. Auch meine Erinnerungen an das Bittergemüse lagen tendentiell im Bereich von Ohrenschmalz. Aber früher war so viel mehr bitter und zugleich ungenießbar, was später seinen Schrecken verloren hat. Also: ran an das Gemüse!

Ich hatte einen kinderfreien Abend ausgewählt (wir hätten „das“ sowieso nur zu zweit gegessen) und pro Person 2 Chicorée eingeplant. Diese habe ich kurz gewaschen, abgetrocknet und den hinteren Strunk keilförmig so herausgeschnitten, dass die Blätter noch zusammenhielten. In einer Pfanne liess ich 2 EL Butter aufschäumen, legte die Chicoréeblüten hinein und den Deckel auf. Bei niedrigster Hitze liess ich den Chicorée nun für knapp 20 Minuten sanft dünsten.

Derweil zerliess ich in einem anderen Topf 1 EL Butter und rührte mit dem Schneebesen 1 EL Mehl dazu. Bevor die Mehlschwitze Farbe annehmen konnte goss ich 1/2 l Milch an und kochte alles unter Rühren einmal auf. Die nun entstandene Béchamelsauce würzte ich mit reichlich Muskatabrieb, Salz und weißem Pfeffer, final rührte ich noch 50 g Bergkäse (frisch gerieben) dazu.

Die zwischenzeitlich einmal gewendeten Chicoréeblüten waren nun auch fertig. Ich nahm sie aus der Pfanne, wickelte jede Blüte in eine Scheibe gekochten Schinken und platzierte diese Röllchen in einer Auflaufform. Die Béchamelsauce goss ich darüber und bestreute alle generös mit weiterem frischgeriebenen 30 g Bergkäse.

Dann wanderte der Chicorée zum Backen und Gratinieren für 15 Minuten in den auf 250° C vorgeheizten Ofen. Das gold-braune Gratin-Ergebnis servierte ich zusammen mit frisch gekochten Salzkartoffeln und einem kühlen Bier – wenn schon Bitterstoffe, dann auch beim Getränk.
Hätte ich vor einem Spiegel gegessen, hätte ich einen kleinen Jungen gesehen, der den ersten Bissen zaghaft in den Mund nimmt und diesen dann leicht indigniert herunterschluckt. Mit jedem Bissen jedoch wurde ich älter, gewöhnte mich an die am Ende aparte Bitternote und wusste dann wirklich nicht mehr, was mich so lange davon abgehalten hat, auch für mich einmal Chicorée als pures Soulfood zuzubereiten.

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Ernte (sei) Dank (Suppe 22)

Sonntag, 4. Oktober 2020 17:43

Liebe Andrea,

Zum Erntedankfest heißt es heute: Gemüse all in! Die Vorzüge von Wintergemüse in flüssiger und pürierter Form hatte ich ja schon an anderer Stelle in diesem Blog gepriesen.

Heuer nun gab es „einmal querbeet“ in Form einer

Herbstlichen Gemüsesuppe

mit der Tendenz zu Grün auf dem Tisch. Die Vorgehensweise folgte den bekannten Zubereitungsschritten: Alles kleinschneiden, kurz in 3 EL Olivenöl andünsten, mit Brühe aufgießen (manchmal Hühner-, heute Gemüsebrühe) bis alles Gemüse bedeckt ist, garkochen, pürieren, Sahne einrühren, abschmecken (Meersalz, Cayennepfeffer, Worcestersauce) und servieren.

Für das diesmalige Gemüse-Allerlei in Suppenform hatte ich ausgewählt: 1 Stange Lauch, 6 braune Champignons, 1 rote Zwiebel, 1/2 Bund Lauchzwiebeln, 2 Zucchini, 1 Brokkoli, 1/4 Staudensellerie, 2 Pastinaken, 2 Karotten und 2 Kartoffeln.

Dazu gab es Brotcroutons aus dem Ofen: klein gewürfeltes Ciabatta, in 2 EL Olivenöl geschwenkt und in einer Reine für 10 Minuten bei 150° C kross werden lassen.

Und zum Erntedank dann auch nochmal ein großes Dankeschön an die Schwiegereltern, die uns die Blaupause ihres Paletten-Hochbeetes nach erfolgreicher Inbetriebnahme auch in unserem Garten nachbauten und uns in diesem Jahr somit mit reicher Ernte aus eigenem Anbau beglückten.

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Apfelkuchen mit Ta-Ta!

Samstag, 26. September 2020 16:02

Liebe Andrea,

schaut man sich beim Spaziergang durch die spätsommerliche-frühherbstliche Fauna und Flora um, sieht man, dass es die Natur in diesem Jahr besonders gut mit den Apfelbauern gemeint hat. Überall stehen bei uns üppig beladene Apfelbäume in der Landschaft. Und wenn der Wind leise durch langsam welke Laub weht, meint man ein sanftes „Rüttel mich, schüttelt mich“ zu vernehmen. Wie jedes Jahr zur Apfelernte stehen dann auch gleich wieder die verschiedensten Apfelkuchen-Rezepte bei mir Schlange, die entweder erneut oder endlich einmal umgesetzt werden wollen.

Zum Saisonstart habe ich mich für einen lang ersehnten Klassiker entschieden, den Du vor vielen Jahren schon einmal in einem Küchenmonolog vorgelegt hast. So stand nun auch bei uns eine veritable

Tarte Tatin

auf der Kaffeetafel. Obwohl: Kaffee hätte es dazu gar nicht gebraucht, aber dazu später mehr.

Ein besonders vielversprechendes Rezept für die französische Apfelkuchen-Institution habe ich bei unserer Kollegin Frau Neudecker gefunden. Ein zugleich gelingsicheres Rezept, also dann: Ran an die Äpfel!

Hier hatte ich einen großen Sack regionaler Elster-Ware erstanden, die mir eigentlich für den normalen Verzehr einen Tacken zu sauer war. Perfekt also für einen ordentlich süßen Kuchen.

Zuerst habe ich mich an den Teig gemacht. Für den Mürbeteig siebte ich 200 g Mehl in eine Schüssel, gab 150 g Butter (kalt und in kleine Stücke geschnitten) sowie 1 Eigelb dazu und verknetete alles grob mit einem Holzlöffel. Danach folgten 12 g Zucker und 40 ml Wasser in die Rührschüssel und ich mischte alles mit einer groben Gabel weiter; am Ende nahm ich doch wie gewohnt die Hände und stellte den Teig in Folie eingeschlagen kühl. Der hohe Butteranteil empfiehlt eine so kurze und so wenig warme (Hände!) wie mögliche Kneterei. Ich liess den Teig dann einfach ein wenig länger im Kühlschrank, so ca. 1,5 Stunden.

Insgesamt 5 Äpfel hatte ich für den Kuchen auserlesen. Diese habe ich entkernt, geschält und teils geviertelt oder (die größeren Exemplare) geachtelt.

Danach ging es an’s Karamell. Dazu streute ich in eine große Pfanne 250 g Zucker und liess ihn unter stetem Rühren schmelzen und karamellig werden. Wie immer beim Karamell: Nicht zu hell und vor allem nicht zu dunkel, da sonst bitter und bäh!

Nun gab ich die Apfelstücke nacheinander in die Pfanne und rührte sie mit einem Holzlöffel so lange umher, bis sie von allen Seiten mit Karamell überzogen waren. Ich drehte die Hitze etwas nach oben verteile 50 g Butter zwischen den Apfelstücken und streute 1 Prise Salz darüber. Ein paar Minuten lang konnte der Karamell nun etwas einkochen und die Apfelstückchen weich werden.

Dann transferierte ich den Pfanneninhalt in eine Auflaufform. Leider stand mir keine größere Tortenform zur Verfügung. somit hatte auch der finale Kuchen einen kleineren Durchmesser als meine Standard-Tartes. Auch verzichtete ich darauf die Apfelstückchen schön nebeneinander zu stapeln, sondern entschied mich für das geordnete Chaos. Den Karamell füllt ich weitestgehend in die Zwischenräume der Apfelstücke und liess alles etwa 30 Minuten abkühlen.

In der Zwischenzeit holte ich den Teig aus dem Kühlschrank und rollte ihn zwischen zwei Lagen Backpapier mit einer Teigrolle dünn aus. Eine runde Teigfläche, die im Durchmesser knapp 2 cm breiter als meine Auflaufform war, legte ich nun über die Apfel-Karamellmasse und stopfte den übrigen Teig an den Rändern sanft zwischen Apfelstücke und Rand der Form.

Bevor ich den Kuchen nun in den auf 180° C vorgeheizten Ofen schob, piekste ich den Teig noch mehrmals mit einer Gabel ein. Knapp 30 Minuten später war der Teig schön gebräunt. Ich holte die Form aus dem Ofen und liess den Kuchen knapp 10 Minuten abkühlen. Vor dem abschließenden Stürzen des Kuchens gilt es den entscheidenden Slot zwischen zu heiß und zu flüssig sowie zu abgekühlt und zu fest (Karamell) zu finden.

Ganz wichtig: Den Kuchen am besten noch warm genießen, ein wahrer Genuss! Und ein Espresso passt – wenn überhaupt – viel besser dazu, als ein klassischer Drück- oder Filterkaffee. Der Kuchen ist so herrlich saftig, dass man ihn auch ganz ohne ein zusätzliches Heißgetränk (aber dafür mit Schlagsahne oder Vanilleeies) mit glücklich rollenden Augen genießen kann!

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Surf & Turf auf italienisch

Freitag, 18. September 2020 11:07

Liebe Andrea,

Gerichte, die aus nur wenigen Zutaten bestehen, sind ja genau mein Ding. Die Tücke zeigt sich dann oft im Detail, wenn man herausfindet, dass auch wenige Zutaten durchazs etwas Zeit beanspruchen können. Und nein, ich rede hier nicht davon, erst einmal einen Apfelbaum zu pflanzen, um später einmal eine Tarte aux Pommes auf den Tisch zu stellen! Schon lange einmal wollte ich mich an jenen Klassiker der italienischen Küche wagen, braucht es für

Vitello Tonnato

doch gefühlt lediglich Kalbfleisch, Thunfisch, Eiern und Kapern. Na klar, und etwas Vorbereitungszeit. Zuerst einmal habe ich mir 500 g Kalbfleisch (man kann natürlich auch Filet nehmen, ich hatte Kalbsnuss) besorgt und nach alter Väter Sitte bardiert.

Das in Form gebundene Kalbfleisch habe ich gesalzen, gepfeffert und dann rundherum in einem Bräter mit Olivenöl bei mittlerer Hitze angebraten. Als Brateinlage nutze ich eine angedrückte Knoblauchzehe. Nachdem alle Seiten des Fleischs gebräunt waren, gab ich 4 Sardellen, 2 EL Kapern und 150 g Thunfisch im eigenen Saft (1 Dose) dazu und schwitzte alles kurz an. Dann löschte ich mit 50 ml Weißwein ab, liess die Flüssigkeit einmal aufwallen und goss 150 ml Milch dazu.

Ich stellte ich den Bräter für 15 Minuten in den auf 180° C vorgeheizten Ofen und wendete das Fleisch nach der Hälfte der Zeit. Danach holte ich den Bräter aus dem Ofen und liess den Inhalt abgedeckt komplett abkühlen.

Den Braten wickelte ich in Folie und stelle ihn kühl. Die restlichen Zutaten – die Knoblauchzehe fischte ich heraus und entsorgt sie – füllte ich in einen Rührbecher, gab 3 Eier dazu, die ich im Vorfeld schon hartgekocht hatte und mixte alles mit einem Stabmixer zusammen. Während des Mixens goss ich 2 cl Marsalla, 30 ml Gemüsebrühe und so viel Olivenöl an, bis die Sauce eine geschmeidige Konsistenz hatte – nicht zu fest, nicht zu flüssig. Auch die Sauce stellte ich erst nochmals kalt.

Zur Zubereitung dann entfernte ich den Bratenfaden und schnitt das Fleisch mit einem Messer in dünne Scheiben, die ich auf Tellern platzierte. Mit einem großen Klecks Sauce und Kapernapfel ergänzt, nahm mein Vitello Tonnato nun Form an.

Ein Ruccola-Salt, mit Salz, Pfeffer, Olivenöl und Zitronensaft gewürzt, ergänzte das Gericht optisch und geschmacklich. Und dann waren meine paar wenige Zutaten zu einem wahrlich leckeren Endergebnis geworden.

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Der Herbst steht für der Tür, ein Risotto auf dem Herd

Samstag, 12. September 2020 15:05

Liebe Andrea,

nachdem das Wetter in diesem Jahr pünktlich zum kalendarischen Herbstanfang mit fallenden Temperaturen ein klares Signal aussandte, dass auch in diesem Jahr der Sommer ein Ende nimmt, habe ich mich umgehend an das ein oder andere Herbstgericht in der Rezept-Warteschleife gemacht.

Die Rechnung hatte ich jedoch nicht ohne die traditionelle Bestellung Brennholz Anfang September gemacht. Manch einer kennt das Dilemma: Kaum sind Fenster oder Auto gewaschen fängt es auch in stabilen Hochdrucklagen aus heiterem Himmel an zu regnen. Und sobald ich mich mit neuem Brennholz für die kälteren Tage des Jahres eindecke, kommt der Sommer zurück. Wer in den kommenden Jahren also eine regenfreie Hochzeit oder ein anderes Open-Air-Event mit Schön-Wetter-Garantie im September plant, darf diesen Termin gerne mit unserer nächsten Holzlieferung abstimmen.

Nun, die 3 Ster Holz sind jetzt verräumt und ich finde bei fast 30° C im Schatten Zeit, meinen kulinarischen Willkommensgruß an den diesjährigen Herbst in Worte zu fassen. Lecker hat das

Risotto mit Linsen

allemal geschmeckt! Und sollte es in diesem Jahr draußen doch noch einmal kühler und frischer werden, ist dieses gehaltvolle Gericht ein gutes Rezept gegen den Trübe-Tage-Blues.

Vorbereitend habe ich für mein Risotto 200 g Linsen ca. 15 Minuten vorgekocht. Eigentlich hatte ich noch Beluga-Linsen in meinem Vorratsschrank vermutet, fand aber nur noch eine Packung rote Linsen, die mit ihrer eher orangenen Farbe im fertigen Mahl keine wirklich optischen Akzente setzten. Lecker schmecken auch diese Linsen allemal.

50 g Pancetta, Scheibenware, habe ich kleingeschnitten und mit 3 EL Olivenöl in einem großen Topf Farbe annehmen lassen. Dazu gab ich 1 Karotte und 1 Stange Staudensellerie, jeweils kleingewürfelt, sowie 150 g braune Champignons, entstielt und geachtelt. Nach 5 Minuten rührte ich 200 g Risotto-Reis dazu, ergänzte diesen um die abgeschütteten Linsen, 1 gewürfelte Tomate sowie die Blätter von 2 Zweigen Thymian und die Nadlen von 2 Zweigen Rosmarin (die Rosmarinnadeln hatte ich zudem noch etwas kleingeschnitten). Als letztes wanderte 1 Knoblauchzehe, die ich nur etwas angedrückt hatte, mit in den Topf.

Was folgte war das übliche Risotto-Einerlei: Schöpflöffelweise 1 Liter Gemüsebrühe (diesmal Instant, simmernd neben dem Risotto-Topf) angießen, rühren und nachgießen, alsbald der Reis die Flüssigkeit absorbiert hat. Diese Zeit bietet sich immer super an, um schon einmal 150 g Parmesan kleinzureiben.

Nach knapp 20 Minuten ist die Brühe in der Regel aufgebraucht und das Risotto so, wie es sein soll: Schlotzig und mit noch sanftem Biss im Inneren. Nachdem ich ganze Knoblauchzehe herausgefischt hatte, hob ich den Parmesan unter den Reis, zog den Topf von der Flamme und liess das Risotto noch kurz ziehen. Die gefüllten Teller bestreute ich final mit etwas Parmesankäse und rief den Rest der Mitesser „zu Tisch!“. Fazit: der Herbst kann kommen. Aber vorher noch ein paar Sonnenstunden im Freibad sind auch nicht zu verachten.

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Simply the best

Samstag, 8. August 2020 13:56

Liebe Andrea,

es sind immer wieder die kleinen Dinge, die ganz große Freude bereiten. Und gerade, weil Du derzeit nicht in Kompaniegrößte den Kochlöffel schwingst, anbei eine kleine Motivation zu einer großen Köstlichkeit, die sich schnell auf den Esstisch zaubern lässt. Für die

Kartoffeln mit grünen Bohnen

braucht es weder viel Zeit, noch viele Zutaten. Die grünen Bohnen hatte ich sogar vorbereitet: von ca. 150 g Buschbohnen habe ich die Enden abgeschnitten, die großen Bohnen gedrittelt und die kleinen halbiert. Danach blanchierte ich die Bohnen für 4 Minuten in kochendem Salzwasser mit Bohnenkraut und schreckte sie mit kaltem Wasser ab.

Später schälte ich dann 4 Kartoffeln (kinderfaustgroß), schnitt sie in Viertel und kochte sie für knapp 15 Minuten. In der Zwischenzeit würfelte ich 1 Zwiebel sowie 2 Knoblauchzehen fein und schwitzte diese in einer Pfanne mit etwas Olivenöl sanft an. Nach etwa 5 Minuten gab ich 2 EL Ajwar sowie 3 Tomaten, in kleine Würfel geschnitten, dazu.

Es folgten die noch nicht ganz durchgegarten, abgeschütteten Kartoffelviertel in die Pfanne sowie 200 ml Gemüsebrühe. Während die Kartoffeln nun unter gelegentlichem Rühren fertiggarten, mischte ich die grünen Bohnen zum Aufwärmen mit in die Pfanne. Das was’s auch schon. Als Beilage gab’s Lammbratwurst vom Grill, aber auch als eigenständiges Gericht sind die Kartoffeln eine vollwertige vegetarische und vor allem richtig leckere Mahlzeit!

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Bayerische Matscherei

Samstag, 18. Juli 2020 17:23

Liebe Andrea,

schon vor vielen Jahren, ich war bereits Bürger des Freistaates Bayern, bereitete ich meinen ersten Obatzter daheim zu. Und ja, man kann die Phonetik auch als Obazda, Obatzda oder ähnlich in Buchstaben umsetzen. Damals bereitete ich meinen ersten Obatzter als Bestandteil eines deftig-zünftigen Weißwurst-Frühstücks, mit Brezen, süßem Senf, Radi und allerlei mehr, was es für einen bayerischen Frühschoppen braucht.
Verändert hat sich mein Grundrezept seitdem kaum, allein habe ich meinen

Obatzter

bislang nicht in einer Küchen-Monologie festgehalten, was ich hiermit nun nachhole.

Man kann echten Camembert verwenden, ich jedoch greife (und zwar nur für dieses Gericht) gerne zur bayerischen Variante, die dann Sahne-Weichkäse mit Edelschimmel oder ähnlich heißt. Keep it local!

Den kompletten, zimmerwarmen Käselaib (350 g Weichkäse) zerdrücke ich mit ein Gabel in kleine Brocken und gebe die folgenden Zutaten dazu: 70 g weiche Butter, 1 Zwiebel in kleinsten Würfeln, 1 Prise Salz, 2 TL Kümmel (grob gemörsert), einige Prisen Paprika rosenscharf und Piment d’Espelette sowie 1 Schuss Weizenbier.

Das alles verknete ich weiterhin mit der Gabel zu einer homogenen Masse, lasse diese etwas ruhen und serviere den Obatzter dann mit frischen Laugenbretzeln oder tische ihn im Rahmen eines oben erwähnten Frühschoppens auf.

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