Wenn Lämmer zu Spießern werden

Freitag, 7. August 2015 21:56

Lieber Christoph,

wenn der DHL-Bote zwei Mal klingelt, sollte man sich beeilen, vom Nord- in den Westflügel des eigenen Palastes zu gelangen, um ihm schleunigst die Tür zu öffnen. Zumal dann, wenn man gar kein Paket erwartet hatte.

Umso größer dann die Überraschung angesichts des von mir so sehr gemochten bunten Absenderaufklebers, der immer eine Großartigkeit vermuten lässt. Und so war es dann auch.

Das wundervolle Buch „365 Rezepte aus der französischen Landküche“ von Stéphane Reynaud steckte im Paket und ich machte mich gleich an die höchst vergnügliche Lektüre. Für den 7. August hat Monsieur Reynaud

Lammspieße mit Basilikum 

vorgesehen, an deren Zubereitung ich mich trotz hoher Außentemperaturen gerne machte.

Ca. 1 Kilo Lammhüfte hatte ich gekauft. Ich habe das Fleisch pariert und dann in einigermaßen gleich große Stücke von ca. 1,5 cm Breite geschnitten. Etwas Salz und Pfeffer habe ich auf die Würfel gegeben und sie dann, abwechselnd Fleisch und Blätter von 1 Bund Basilikum, auf Holzspieße gesteckt, die ich zuvor über Tag in Wasser eingelegt hatte, damit sie unter den Grillschlangen meines Backofens nicht zu Staub zerfielen.

Während der Ofen auf Stufe „Hellfire“ vorheizte, habe ich die Spieße in eine leicht geölte Reine gelegt. Auf die Spieße verteilte ich eine Basilikumpaste. Diese hatte ich zuvor im Multihacker zubereitet; sollen bei dem Wetter doch die die Arbeit machen, denen die Hitze nichts anhaben kann.

Hierfür habe ich zuerst ein paar Scheiben altbackenes Weißbrot zu Bröseln zerhäckselt. Dann 2 Schalotten und 1 Knoblauchzehe. Schließlich habe ich 2 Eiklar und die Stiele vom Basilikum sowie ein paar übriggebliebene Basilikumblätter dazugegeben und alles ordentlich zusammengeschreddert, bis eine pastöse Masse entstanden war.

Dann durfte das pastenbedeckte Fleisch in den Ofen. Ca. 10 Minuten habe ich den Grill laufen lassen. Dann habe ich – als die Paste leicht bräunte – die Ofentür geöffnet, angesichts der Gluthitze fluchtartig den Raum verlassen und nach meiner Rückkehr die Spieße dann noch im auf 120 Grad runtergedrehten Ofen (Grill aus) für weitere gute zehn Minuten bei leicht geöffneter Ofentür weitergaren lassen.



Als Begleiter diente ein schlichter Tomatensalat. Denn schließlich sollten die Spieße glänzen, nicht die Beilagen. Und das taten sie auch: Das Fleisch war superzart, innen noch leicht rosa und ein großer Hochgenuss. Ich danke dir von Herzen für das wundervolle Buch, aus dem wir bestimmt noch 364 Rezepte zubereiten werden.

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Universelles aus dem Thai-Universum

Freitag, 7. August 2015 9:25

Liebe Andrea,

seit Jahr und Tag steht in meiner Rezeptekladde unter dem Titel „Exkursion nach Thailand“ eine Bauanleitung für ein thailändisches Pfannengericht. Das Schöne daran ist, dass sich dieses Rezept in punkto Gemüse, Fisch oder Fleisch beliebig variieren lässt. Am Ende schmeckt’s dann jedoch immer nach „weiter weg“. Die Augen eines Asiaten mögen sich bei dieser Vorgehensweise womöglich noch mehr verengen, so, wie es uns graust, wenn wir einen schlecht wiedergegebenen Dialekt hören. Aber für den Asia-Laien ist diese Vorgehensweise recht gelingsicher.

Und auch im Dunstkreis des heimischen Herds kann ich durchaus mit dem

Thailändischen Curry

punkten. Anstatt Hühnchen oder anderer Fleischstreifen, die man 1:1 als Ersatz nehmen kann, nahm ich diesmal 3 Kabeljau-Loins. Da die Loins dick genug und tiefgefroren waren, liess sich der Fisch besonders gut mit einem scharfen Messer in passable Würfel teilen.

Des weiteren schnitt ich mir 100 g Mini-Auberginen (halbiert) sowie 2 rote Zwiebeln (halbiert und in Streifen) zurecht. Beides gab ich zusammen mit 3 Stängeln Zitronengras mit ausreichend Erdnussöl in eine Pfanne und ließ das Gemüse bei hoher Hitze kurz Farbe annehmen. Das Zitronengras hatte ich vorher mit der stumpfen Seite eines großen Messers mehrere Male traktiert, um die Fasern aufzuweichen – das kitzelt noch mehr Geschmack aus dem Gewürzgras heraus.

Als nächstes gab ich 50 g Chili-Paste (fertig, aus dem Tütchen, aus dem Asia-Laden, medium-scharf) in die Pfanne und mischte diese mit dem Gemüse. Dann folgten die Fisch-Würfel in die Pfanne, kurz danach 140 g Bambussprossen aus der Dose, 400 ml Kokosmilch sowie der Saft von 1 Limette. Bei weiterhin hoher Hitze liess ich die die Flüssigkeit einblubbern und eine geschmeidigere Konsistenz annehmen. Kurz vor Ende der Garzeit gab ich eine Handvoll Zuckerschoten in die Pfanne und würzte mit einigen Spritzern Fischsauce ab.



Zusammen mit dem Basmati-Ofenreis nach Hausrezept gab’s dann einmal mehr eine Exkursion nach Thailand. Fix zubereitet, nicht zu scharf, ohne Jet-Lag und ordentlich lecker.

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Tomatenbrot, knusprig-lecker

Dienstag, 4. August 2015 21:14

Liebe Andrea,

sie laufen einem immer wieder über den Weg: Bruschetta und Crostini. Dabei ist es irgendwie gar nicht so leicht, die beiden auseinander zu halten, denn am Ende des Tages handelt es sich bei den beiden um geröstete Brotscheiben mit Belag.

Während Crostini jedoch meist mit Wurst oder Hühnerleber angeboten werden, kommt der Kollege meist als

Bruschetta mit Tomaten

daher. Und da wir ja aktuell Zugriff auf wahrlich leckere Paradeiser haben, gibt’s bei uns derzeit immer wieder – schnell gemacht und ebenso fix verputzt – die Röstbrotvariante mit Tomate.

Für das Bruschetta habe ich ein Baguette in Scheiben geschnitten und das Brot unter dem Grill des Ofens goldbraun geröstet. Parallel dazu schnitt ich Tomaten in Würfel und entsorgte die dabei aus dem Fruchtfleisch austretende Flüssigkeit. Dazu gab ich eine handvoll frisch geschnittenen Basilikum sowie 2 Knoblauchzehen in kleinen Stücken.

Dann würzte ich mit einer Prise Zucker, Meersalz und frisch gemahlenem Pfeffer und rührte gutes Olivenöl unter die Mischung.



Ein großer Löffel half mir, die fertig gerösteten Brotscheiben generös mit dem Tomaten-Basilikum-Knoblauch-Olivenöl-Mix zu belegen.

Immer wieder aufs Neue stellen die knusprigen Bruschetta einen leckeren Auftakt zum Aperitif und damit den Start eines gelungenen Abends dar.

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Gestern gab’s grandios gesundes gewürfeltes Gemüse

Donnerstag, 30. Juli 2015 8:47

Liebe Andrea,

die einfachsten Dinge sind doch meist die besten. Eine hochgradig leckere Gemüsevariation zu einem gelungenen Veggie-Day gab es gestern bei uns aus dem Ofen. Das gewürfelte

Ofengemüse mit Schafskäse

war ordentlich schmackhaft und glänzte zudem durch eine schnelle und einfache Zubereitung. Zuerst einmal schnibbelte ich das Gemüse klein: 1 Aubergine, 1 Zucchini, 1 gelbe Paprika, 1 Schälchen Naschpaprika sowie 200 g Schafskäse schnitt ich in Würfel bzw. kleine Stücke.
Das Gemüse und den Käse mischte ich mit 1 EL Kräuter der Provence und 2 EL Olivenöl in einer Reine und gab 1 rote Zwiebel in viertel Ringen darüber.

Der Gemüse-Topf wanderte dann für knapp 30 Minuten in den auf 180° C vorgeheizten Ofen. Und das war’s dann auch schon.



Dazu reichte uns schlichter Bulgur, der mit Meersalz gewürzt und mit 2 Teilen heißem Wasser aufquellte und dann schon fertig war.
Am Tisch konnte dann jeder mit (gutem) Olivenöl nach Wunsch nachjustieren. Aber die Grundgemüsebasis war schon so lecker, dass das Gemüse Appetit auf einen ordentlichen Nachschlag machte.

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Thunfisch gegen die Langeweile

Dienstag, 28. Juli 2015 9:14

Liebe Andrea,

was als Pausenbrot auf dem Schulhof beginnt, setzt sich im späteren Leben häufig als Sandwich fort. In Sachen Schul-Pausenbrot war ich nun wirklich nicht verwöhnt. Zwei Scheiben Graubrot oder Vollkornbrot, Butter, Scheibe Wurst oder Käse, fertig. Mit neidvollem Blick schielte auf die progressiveren Modelle mancher Mitschüler. Einer hatte, ganz rebellisch für die damalige Zeit, immer wieder Pausenbrote, die aus einer Scheibe Vollkornbrot (total gesund) und Toastbrot (total verpönt) bestanden. So schmeckte schon die Standard-Wurstscheibe in der Mitte wesentlich spannender.

Nun sind seit meiner Pausenbrotzeit auf dem Schulhof doch einige Tage vergangen und auch bei uns hat sich mittlerweile die Pausenbrotkultur weiterentwickelt. Zeit also, sich nun dem nächsten Kapitel zuzuwenden: Leckeren Sandwiches. Ein großer Klassiker und immer wiederkehrender Wegbegleiter von mir ist das

Thunfisch-Sandwich Pain Bagnant

in seinen unterschiedlichsten Darreichungsformen. Meine Bauanleitung für ein schmackhaftes Thunfisch-Sandwich findest Du in den folgenden Zeilen.

Zunächst einmal braucht es gescheites Baguette. Das ist hierzulande nicht immer einfach zu finden, aber ein beträchtlicher Teil der Sandwich-Miete. Das längs auf- aber nicht durchgeschnittene Baguette streiche ich auf der Unterseite mit einer Mischung aus 1 Dose Thunfisch (natur, abgetropft) und 2 EL Mayonnaise ein.

Dann gibt’s den weiteren Belag drauf: 1 gekochtes Ei in Scheiben, einige Scheiben Salatgkurke, Tomatenscheiben, dünne Ringe von 1 roten Zwiebel und Salat, z.B. Rucuola. Wer mag, kann die innere Oberseite des Baguette mit Salzbutter bestreichen oder den Salat mit einer weiteren Schicht Thunfisch-Mayonnaise toppen.
Apropos Mayonnaise: Diese habe ich ohne viel Tamtam und Zusatzstoffe ganz schnell so hergestellt: 1 Eigelb, 1 TL Senf, 1 TL Weißweinessig sowie 2 Prisen Meersalz in einem Rührbecher mit dem Stabmixer verrühren und unter Weiterrühren in einem dünnem Strahl Sonnenblumenöl hineinfliessen lassen, bis alles die passende Konsistenz hat.



Dann geht es daran, das gefüllte Brot mit sanften Druck in kompakte Form zu drücken. Auch hier ist, wie beim späteren Verzehr auch, die Verwendung zweier Hände dringend empfohlen. Zum einen, weil man das leckere Sandwich erst einmal gar nicht mehr aus den Händen legen mag; zum anderen, weil sich nur so in vielerlei Hinsicht die Form wahren lässt. Ein zufrieden gesättigter Blick und das gute Gefühl, wieder einmal den grauen Broten eins ausgewischt zu haben, sind die verdiente Belohnung.

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Zucchini in Reih und Glied antreten lassen

Sonntag, 26. Juli 2015 13:42

Liebe Andrea,

natürlich ist es schön, einen konkreten Essenplan auch für’s Wochenende zu haben. Aber mindestens genauso schön ist es, nach (oder anstatt) dem Studium der Wochenendzeitung einen Stapel Kochbücher nach der notwendigen Inspiration zu durchstöbern. Ein wichtiges Entscheidungskriterium dabei sind die im Kühlschrank vorhandenen Vorräte oder aber das, was man sich so an saisonalen Wünschen auf seine Anschaffungsliste gesetzt hat.
So entstehen immer wieder neue, schöne Anlässe, den Kochlöffel zu schwingen. Im Laufe der letzten Woche wurden wir innerfamiliär mit einem größeren Konvolut Zucchini und Salatgurken bedacht. Und so wundert es nicht weiter, dass ich nach dem Studium eines meiner gern konsultierten Kochbücher vom 365-Tage-Koch Stépahne Reynaud eine neue Variation von

Gefüllte Zucchini mit Hackfleisch

zubereitete. Für drei Personen nahm ich 4 Zucchini, die ich quer halbierte und dann je nochmal in zwei Stücke schnitt. Die Endstücke entdeckelte ich, hob diese Deckel auf und höhlte alle Zucchini-Stücke mit einem kleinen Löffel einseitig aus; nach unten hin liess ich somit einen Boden in den Zucchini-Zylindern.

Das Zucchini-Innere hackte ich mit einem großen Messer klein und mischte es mit den fein geschnittenen Würfeln von 1 Zwiebel. Diese Mischung gab ich in eine mit Olivenöl erhitzte Pfanne und dünstete alles zusammen an. 2 Knoblauchzehen in kleinen Stücke sowie die Blätter von ca. 20 Stängeln Thymian – diese hatte ich zwischen Daumennagel und Zeigefinger von den Stielen gelöst – gab ich zwischendurch auch noch dazu.

250 g Lammhack vermischte ich mit 1 Ei, ordentlich schwarzem Pfeffer und Zitronenpfeffer, Meersalz und dem abgekühlten Pfannengemüse und füllte dies in die ausgehöhlten Zucchini, die ich aufrecht in einer Auflaufform platzierte. Über alles gab ich dann noch 300 ml heiße Gemüsebrühe, damit die ganze Chose später nicht zu trocken geriet. Während die Zucchini nun für ca. 30 Minuten in den auf 160° C vorgeheizten Ofen wanderten, machte ich mich an die Beilage: Reis.

Dazu schnitt ich 1 Zwiebel in feine Würfel und schwitzte diese mit 2 EL Butter bei mittlerer Hitze in einem Topf an. Dann gab ich 1 Becher Reis dazu dazu und liess diesen unter Rühren ein wenig akklimatisieren. Als nächstes groß ich 2 Becher Wasser dazu, rührte 3 EL Ajwar darunter liess den Reis bei kleinster Stufe und gelegentlichem Rühren quellen.



Ziemlich zeitgleich waren Zucchini und Reis dann fertig, die sich geschmacklich beide darüber freuten, gemeinsam auf dem Teller ein aromatisch feines Team zu bilden.
Was soll ich sagen!? Auch ich teilte mit Genuss diese Freude.

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Shalalala, Jambalaya

Mittwoch, 22. Juli 2015 20:07

Lieber Christoph,

warst du schon einmal in Louisiana? Ich auch nicht. Müssen wir auch nicht, denn wir können uns die Cajun-Küche auch ganz einfach nach Hause holen, zum Beispiel in Form von

Jambalaya

Zu allererst habe ich eine Gewürzmischung aus gefühlt tausend Zutaten gebastelt:

3 TL edelsüßer Paprika, je 2 TL Oregano und Thymian, 1 TL Knoblauchpulver und je 1/2 TL rosenscharfer Paprika, Salz, Pfeffer und Kreuzkümmel. Zum Schluss noch etwas frisch geriebene Muskatnuss. Das Ganze habe einmal durch meine Oldschool-Ex-Kaffee-jetzt-Gewürzmühle gejagt, so dass ein homogenes Pulver entstand.

Mangels Kaufmöglichkeit für Chorizo habe ich mir mit Aufschnitt von Paprikasalami geholfen, was wahrscheinlich nicht die beste Idee war, aber was will man machen. Die Streifen hiervon habe ich zunächst in etwas Olivenöl ausgebraten.

Während die Wurst so rumschwitzte, habe ich das Gemüse vorbereitet. 1 rote Paprikaschote habe ich geschält und in dünne Streifen geschnitten. 2 Stangen Staudensellerie habe ich in feine Würfel geschnitten (ich mag den prominenten Geschmack großer Stücke nicht so sehr) und 1 rote Zwiebel habe ich ebenfalls gewürfelt.

Die Zwiebel habe ich in der Pfanne, aus der ich die Wurst vorerst entfernt hatte, glasig gedünstet und noch 1 gepresste Knoblauchzehe dazugegeben. Das restliche Gemüse und die Wurststreifen kam dann dazu. 1 Hähnchenbrustfilet hatte ich schon am Vortag gewürfelt und angebraten, das wanderte ebenfalls in die Pfanne.

Schließlich habe ich 500 ml Gemüsebrühe angegossen, alles einmal ordentlich aufgekocht und dann 1 Tasse Reis und etwas mehr als die Hälfte der Gewürzmischung dazugegeben. Dann habe ich die Hitze auf Nur-etwas-blubbern reduziert und die Pfanne für ca. 15 Minuten ihrem Schicksal überlassen.

Für die letzten fünf Minuten Kochzeit gab ich dann noch 250 g Garnelen dazu, die nach kurzem Bad in der Menge auch schon gar waren.



Bevor die ganze Chose auf den Teller kam, habe ich noch mit etwas von der Gewürzmischung abgeschmeckt und schon konnte die Südstaaten-Schlemmerei losgehen.

Dieser Artikel ist meiner lieben Freundin Anja gewidmet. Sie weiß schon warum 🙂

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Geschmack, der auf der Zunge klingelt

Mittwoch, 22. Juli 2015 20:07

Liebe Andrea,

was in unseren Breiten mit Jamba beginnt, hört nicht selten mit nervigen Klingeltönen auf. Ganz anders Jambalaya aus der der Karibik bzw. der Cajun-Küche im Süden der USA. Das endet mit Fingerlecken und einem wohligen Sättigungsgefühl. Aber der Reihe nach.

Für unsere neueste Küchen-Analogie hatten wir uns eine

Jambalaya

ausgeschaut. Wikipedia, oberschlau wie immer, weiß, dass sich dieses Wort aus dem französischen Wort für Schinken (jambon) in Verbindung (à la) mit der westafrikanischen Bezeichnung für Reis (ya-ya, was auch sonst!?) zusammensetzt. Nun habe ich vorbereitend einige Rezepte durchstöbert, aber statt Schinken meist Chorizo oder der Südstaaten-Andouille als Ersatz-Zutat gefunden (diese Wurst enthält gegenüber der französischen Namensvetterin jedoch keinelei Innereien).

Chorizo ist hier ja schon schwer zu bekommen, aber die Sonderart der Andouille? Da war ich doch froh, bei unserm lokalen Food-Dealer ansprechende Chorizo-Würste zu finden.

Vorbereitend schnibbelte ich erst einmal 1 große Zwiebel, 2 Knoblauchzehen, 2 Stangen Sellerie sowie je 1 gelbe und grüne Paprika klein; die fest eingeplante rote Paprika aus dem Ampel-Mix hatte wohl am Abend vorher zuviel gesoffen und war leider entsprechend matschig.

In einem mit Olivenöl aufgeheizten Bräter ließ ich jedoch erst einmal 400 g Hühner-Oberkeulen Farbe annehmen. Die Hühnerteile hatte ich vorher noch längs geteilt mit Salz und Pfeffer eingerieben.

Nachdem das Huhn allseitig kross war, nahm ich es heraus und schüttete das Bratfett ab. In frischem Olivenöl dürften sich nun die Scheiben von 300 g Chorizo-Würsten bräunen und auslassen. Zu den Wurstscheiben gab ich dann das klein geschnittene Gemüse und schwitzte dies bei moderaterer Hitze an.

Als nächstes kamen 3 EL Tomatenmark hinzu, gefolgt von 350 g Langkornreis, der unter Rühren schön glasig werden durfte. Das alles löschte ich mit 400 g stückigen Dosentomaten sowie 750 ml Hühnerbrühe ab und ließ den Reis bei offenem Deckel, mittlerer Flamme und gelegentlichem Umrühren quellen. Nach ca. 20 Minuten gab ich die Hühnerstücke sowie 18 Gambas dazu, TK-Ware, die ich vorher in Wasser hatte auftauen lassen.



Ich ließ den Reis fertig garen, goss final 100 ml Orangensaft dazu und mischte 2 Tomaten, in Würfel geschnitten, darunter und mengte alles nochmals durch. Die Chorizo entpuppte ich als wahrer Glücksgriff; sie drückte dem Reisgericht mit ihrer rauchigen Note geschmacklich den Stempel auf und verleihte ihm Tiefe. Für individuelle Schärfe auf dem Teller stellte ich ein Fläschchen Tabasco bereit.

Und schon kurz danach tanzten mir wohlschmeckende Klänge um den Gaumen, während Willy de Ville mit seinem Südstaaten-Blues für eine perfekte akustische Untermalung sorgte, an die ein profaner Klingelton niemals heranreichen wird.

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Backe, backe Brötchen

Sonntag, 19. Juli 2015 14:28

Liebe Andrea,

nachdem ich vor ein paar Jahren das erste mal davon erfuhr, dass in unseren Aufbackwaren gerne auch Substanzen verwendet werden, die aus Menschenhaar gewonnen werden, verging mir bis auf weiteres der Appetit auf jegliches Fertigbackzeugs. Das verwendete L-Cystein ist eine Aminosäure, die vor allem in industriell gefertigten Backwaren zu finden ist. Ein haariges Thema, weiss man doch oft nicht, woher das Brot stammt, das man hier und da gereicht bekommt.

Umso erfreuter machte mich kürzlich ein Blog-Beitrag unsers sehr geschätzten Herrn Grün über selbst gemachtes Brot. Nun endlich fand ich den Weg in „meine Backstube“ und machte mich ans Werk. Für die

Italienischen Brötchen nach Herrn Grün

braucht es etwas Zeit und sehr übersichtliche Zutaten. Das wichtigste ist das Mehl, dieses sollte dem Typ 550 entsprechen. Laut Hersteller ist dieses Mehl backstark und für alle Hefeteige und Brote geeignet.

275 g Weizenmehl vom Typ 550 also werden mit 5 g Frischhefe, 10 g Olivenöl, 10 g flüssigem Honig, 1 gehäuften TL Meersalz und 175 ml lauwarmen Wasser in eine Rührschüssel gegeben und 2 Minuten mit dem Knethaken auf unterster Stufe bearbeitet. Hernach wird der Teig mit höchster Knethakenstufe so lange geknetet, bis er sich als Kugel von der Schüssel ablöst.

Den Teig ließ ich, kugelig wie er war, mit einem feuchten Tuch abgedeckt 30 Minuten in der Schüssel ruhen und gehen. Die folgenden Arbeitsschritte lassen erahnen, warum Bäcker in aller Regel früh auf den Beinen sind. Denn in der Ruhe – und vor allem der Zeit – liegt auch hier die Kraft. Nachdem ich den Teig ein paar Minuten mit bemehlten Händen auf der bemehlten Arbeitsplatte kräftig durchgeknetet hatte, sah der weitere Rezeptverlauf vor, den Teig zu einem Quadrat auseinanderzudrücken. Von diesem Quadrat werden nun jeweils die Ecken eingeklappt und der Teig für weitere 20 Minuten unter dem feuchten Küchentuch gelagert.

Danach wird der Teig abermals in die quadratische Breite gedrückt, wieder eckenweise eingeklappt und zugedeckt. Da wohl auch beim Backen aller guten Dinge drei sind, erfolgt nach 20-minütiger Ruhezeit das selbe Procedere. Kurz: Insgesamt dreimal wird der Teig ins Quadrat gedrückt, über die Ecken eingeschlagen und 20 Minuten von einem feuchten Tuch bedeckt.

Dann endlich kann’s weitergehen. Den Teig habe ich in vier Stücke geteilt, in längliche Form gerollt und – ganz wichtig – in ein Baguetteblech gelegt. Das Baguetteblech hält die Teiglinge in Form und verleiht dem späteren Backwerk die nötige Knackigkeit. Apropos knackig: Eine mit Wasser gefüllte Reine im auf 230° C aufgeheizten Backofen trägt ebenfalls ihren Teil für eine knusprige Kruste bei. Die Brötchen in spe habe ich noch auf der Oberfläche angeritzt und mit Mehl bestäubt, dann kam mein Backwerk für knapp 12 Minuten in den Ofen.



Fertig sind die Brötchen, wenn die Kruste es farblich verkündet. Sicher: Aufbackbrötchen sind in aller Regel fixer zubereitet. Aber: Meine Brötchen enthielten keine ellenlangen – geschweige denn haarigen – Zutaten, die mit Es, Ähs und Bähs verbrauchergerecht verklausuliert sind. Und ja: Selber Brotbacken macht mächtig stolz. Und glücklich.

Muss ich an dieser Stelle wirklich erwähnen, wie lecker diese wunderbaren selbst gebacken Brötchen waren? Ich tu’s trotzdem: Grossartig war’s! Und ab jetzt werde ich regelmässig kleine Brötchen backen!

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Dinge, von denen man nicht genug bekommen kann

Freitag, 17. Juli 2015 14:53

Liebe Andrea,

die Rezepte-Sammlung in unserem analogen Küchen-Blog wächst stetig an. Und immer wieder stelle ich nach dem Kochen (und Dokumentieren per Kamera) fest, dass wir das eine oder andere Gericht bereits behandelt und unserer geneigten Leserschaft vorgestellt haben. So bleibt mir bei der heutigen Variante der

Gebratenen Lammkoteletts mit Couscos und Pimientos de Padron

nur über eine Abwandlung bestehender Küchenmonologe zu berichten. Aber es ist – mal wieder – die perfekte Zeit für Sommergerichte, die fix zubereitet sind und somit die Wohlfühlzeit im Garten verlängern. Dinge, von denen man einfach nicht genug bekommen kann!

Für den Couscous habe ich 1 rote Zwiebel, 2 Stangen Sellerie und 1 große Karotte in kleine Würfel geschnitten. Die Karottenwürfel dünstete ich zusammen mit den Selleriestücken in einem großen Topf mit Olivenöl sanft an und gab dann die Zwiebeln dazu.

Für die Gemüsewürzung hatte ich 1 EL Korindersamen und 1 EL Kreuzkümmel kleingemörsert. Es folgten 1 große Tasse Instant-Couscous und 1 EL Instant-Hühnerbrühe in den Topf. Nachdem ich alles alles einmal umgerührt hatte goss ich 1 Tasse heißes Wasser nach. Mit aufgelegtem Deckel liess ich den Couscous nun ein paar Minuten quellen.

Für den passenden Dipp habe ich 250 ml Joghurt (je fetter, desto lecker) mit dem Saft von 1 Zitrone, einer ordentlichen Prise Salz, 1 Döschen Safran sowie 1 TL Koriandersamen (kleingemörsert) sowie 1 TL Kreuzkümmel (ebenfalls kleingemörsert) verrührt und etwas ziehen lassen.

Die Pimientos de Padron, in unseren Breiten auch gern Bratpaprika genannt, habe ich gewaschen, trockengetupft und in einer großen Pfanne mit reichlich Olivenöl rundherum angebraten. Die Teile brauchen lediglich mit Meersalz gewürzt zu werden, um schon himmlisch lecker zu schmecken! Der Paprikabestand schwand zusehends als Instant-Tapas, während ich die Lammkoteletts zubereitete.

Die Lammkoteletts gab ich mit ein paar Stängeln Rosmarin und ein paar Zehen von frischem Knoblauch in eine vorgeheizte Pfanne und brutzelte das Fleisch kurz von beiden bei großer Hitze knusprig; idealerweise ist das Lamm dann innen noch zartrosa. Als Gewürz reichen hier Meersalz und frische Zitronen.



Den Couscous lockerte ich mit einer Gabel auf und arbeitete dabei 2 EL Salzbutter sowie frisch gehackten Koriander unter.

Nachdem alle einzelnen Bestandteile auf den Tellern angerichtet und die Gläser ausreichend mit kühlen Rosé-Wein gefüllt waren, stand einem weiteren lauen Sommerabend nichts mehr im Wege. So schmeckt mir der Sommer immer wieder richtig gut!

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