Last Minute nach Portugal

Dienstag, 23. August 2016 8:59

Liebe Andrea, nachdem mich in der vergangenen Woche mehrere Reportagen mit auf die gedankliche Reise nach Portugal genommen hatten – allen voran der einmal mehr wunderbar geschrieben Reisebericht von Stevan Paul – reichte es mir zum Wochenende: Ich musste dem ganzen „Meerweh“ kulinarisch entgegenwirken.

Nun verhält es sich so, dass Aschaffenburg zwar den Zweittitel „Das bayerische Nizza“ für sich beansprucht, ansonsten jedoch so einiges vermissen lässt, was eine Küstenstadt auszeichnet. Allen voran eine täglich (außer montags) frisch bestückte Fisch-Markthalle mit allem Seegetier und was so dazugehört. Da hilft auch unser sonst so verlässsliche und mit dem Sea Food Star ausgezeichneter Fischhändler nur bedingt weiter. Es musste also ein wenig improvisiert werden, um den

Arroz de Marisco

einigermassen stabil und schmackhaft auf den Esstisch zu bekommen. In verschieden Tiefkühltruhen wurde ich beim Einkauf fündig und erstand für meine küstenferne Interpretation des portugiesischen Reisgerichts mit Meeresaroma unter anderem: Green-Shell-Muscheln, Miesmuschelfleisch, Gambas (Qualität 21/30), Tiefseegarnelen (Qualität 16/20), 1 Hummer (350 g) sowie einen bunte Mischung Meeresfrüchte (mit Pulpo, Crevetten, Muscheln & Co).
Um auf Nummer Sicher zu gehen legte ich gleich noch 1 Glas Krustentierfond mit in den Einkaufswagen.

Wieder daheim am Herd schwitze ich in einem tiefen Topf 1 Zwiebel und 3 Knoblauchzehen an, die ich vorher kleingewürfelt hatte. Dazu gab ich 2 große Tomaten. Die Tomaten hatte ich geschält, in Scheiben geschnitten und gewürfelt.
Den bereits vor dem Tiefkühlen vorgekochten Hummer habe ich auseinandergebrochen (Kopf, Schwanz) und das Schwanzstück in drei Teile geschnitten. Den Kopf gab ich zu diesem frühen Zeitpunkt mit in den Topf, um das Möglichste an Geschmack in meinen nun folgenden Sud zu bekommen.
Es folgten die Meeresfrüchte, der Krustentierfond sowie 1/2 l Gemüsebrühe (zur Feier des Tages mal wieder aus Eigenproduktion). Nachdem alles bei großer Hitze aufwallte gab ich die Fäden aus 1 Briefchen Safran dazu.

Nun rührte ich 500 g Langkornreis in die kochende Flüssigkeit und reduzierte die Temperatur. Kurz danach gab ich die Gambas und Crevetten in den wallenden Sud und schmeckte mit 4 cl Portwein, Piment d’Espelette, Paprika (rosenscharf) und Meersalz ab.



Kurz bevor der Reis fertig gegart war, gab ich die Hummerschwanz-Stücke lediglich zum Aufwärmen mit dazu. Portionsweise auf den Tellern verteilt servierte ich meinen Meeresfrüchte-Reistopf mit ordentlich frisch gehacktem Koriander und eisgekühltem Vinho Verde.
Und so langsam kann das die Woche über Gelesene nun auch geschmacklich am Gaumen an.
Aber es fehlte natürlich wieder etwas: Der wacklige Holzstuhl mit Korbgeflecht auf der sandigen Terrasse, die Meeresbrandung, der Sonnenuntergang… Dafür träumte ich hernach satt und zufrieden von fernen Reisezielen in meinem eigenen Bett.

Artikel drucken Artikel drucken

Autor:
Datum: Dienstag, 23. August 2016 8:59
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Monologe Küche

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben


This blog is kept spam free by WP-SpamFree.