No Fury in the slaughterhouse

Montag, 21. November 2011 9:58

Lieber Christoph,

„Waaas?“ schrieen die Kinder entsetzt, als ich ihnen erzählte, dass meine Großmutter selig gerne mal Gulasch oder Sauerbraten vom ‚Päädsmetzjer in dr Alexianerstroß‘ aß. Im Rheinland ist es Tradition, diese Gerichte aus Pferdefleisch herzustellen. Ob’s nun aus der Mode gekommen ist – wir haben im näheren Umfeld nur einen Pferdemetzger, der nicht unbedingt vertrauenswürdig erscheint – oder ob’s die Vorstellung ist, Fleisch von diesem Tier zu essen, ich weiß es nicht. Ich habe jedenfalls noch nie Pferd gegessen und habe es auch nicht vor. Fury darf also im Stall bleiben, wenn es bei uns

Rheinischen Sauerbraten

gibt.

Rezepte hierfür gibt es gefühlte hundert verschiedene. Man kann es sich leicht machen und fertig eingelegten Sauerbraten beim Metzger kaufen. Dabei ist es doch ziemlich einfach, den Sud selber herzustellen. Hierfür habe ich ca. 250 ml Rotwein, ca. 500 ml Weinessig und ca. 500 ml Wasser aufgekocht. 1/4 Sellerieknolle, 1 Gemüsezwiebel und 2 Möhren – in groben Würfeln – habe ich in dem Sud mitgekocht. Als Gewürz kamen 1 EL Salz, 2 Lorbeerblätter und jeweils ein paar schwarze Pfefferkörner, Pimentkörner, Wacholderbeeren, Rosinen und Nelken dazu. Dann legt man ein ordentliches Stück Rindfleisch – hier fast 2 Kilo Schulter – in den abgekühlten Sud und vergisst das Fleisch für ein paar Tage. Drei Tage sollten es mindestens sein, manche Rezepte empfehlen das Beizen über drei Wochen. Einmal am Tag sollte man das Fleisch wenden, damit es von allen Seiten gut von dem Sud bedeckt wird.


Der Rest ist einfach: Das gebeizte, trocken getupfte Fleisch wird in heißem Fett (hier: Schweineschmalz) von allen Seiten schön braun angebraten. Dann gibt man den abgeseihten Sud in den Topf und lässt das Fleisch darin ca. 2 Stunden auf kleiner Flamme schmoren. Am Ende der Garzeit habe ich das Fleisch in Scheiben geschnitten und in einer Reine im Backofen bei 120 ° warmgehalten. Die Sauce habe ich dann durch ein Sieb gegeben, zusammen mit 1 Glas Apfelkraut noch etwas eingekocht, mit Mehlbutter angedickt und zum Schluss noch eine Handvoll Rosinen dazugegeben.

Als Beilage dienten uns Knödel und Rotkohl, ganz klassisch, und die dürfen auch gerne Convenience sein. Wer sich mit dem Kohl mehr Arbeit machen möchte, dem lege ich das Rezept von Werner Köhler ans Herz. Rotkohl aus dem Glas kann man mit einem feingeschnittenen Apfel etwas aufpeppen und ob die Knödel nun aus Pulver oder fertigem Kloßteig gemacht werden, bleibt dem Geschmack überlassen.

Ich jedenfalls bin gottfroh, dass wir nach der Sommerpause nun endlich wieder analog gekocht haben, und noch dazu etwas so leckeres!

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Datum: Montag, 21. November 2011 9:58
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Ein Kommentar

  1. 1

    Nach der harten Arbeit, wer das jetzt eigentlich genau das Richtige für mich aber es ist mir mit zuviel Arbeit verbunden, deswegen mache ich mir doch lieber ein Sandwich. 🙂 Bye

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